Entwicklung und Umsetzung des Jahrgangshauses der Goethe-Schule in zentraler und städtebaulich anspruchsvoller Lage in Bochum. Es wurden neue Lernlandschaften im historischen Kontext geschaffen. Generalplanungs-leistungen aller Fachplanungen und Leistungsphasen
Wertigkeit & Atmosphäre
In zentraler Lage Bochums bildet der Goetheplatz das Bindeglied zwischen der Innenstadt und dem Stadtpark. Die überwiegend begrünte Freifläche wird gefasst von historischen Stadtvillen, dem Kunstmuseum Bochum sowie dem im 19. Jahrhundert errichteten Gebäude der Goethe-Schule. In den 1960er Jahren wurde dieses um einen Anbau, dem so genannten Stelzentrakt, erweitert, welcher durch büsing van wickeren einer Generalsanierung unterzogen und zum neuen Jahrgangshaus umgewidmet wurde.
Mit einer bewusst gering gehaltenen Anpassung des Volumens des bestehenden Baukörpers wird die vorhandene städtebauliche Struktur behalten und unterstützt. Ein Teil des Konzeptes der Umbaumaßnahme war die Entscheidung für den Erhalt der in der Tragstruktur des Bestandes befindlichen grauen Energie. Es konnten durch die vorgegebene Tragstruktur räumliche Neuorganisationen für die Lerncluster gefunden werden. Eine neu entwickelte Fassadengestaltung, die mit der des bestehenden Baukörpers der Goetheschule harmoniert, bildet den neuen Rahmen der Südspitze des Goetheplatzes und verleiht diesem eine Aufwertung in dessen räumlicher Qualität.
Die Materialien der Fassaden werden mit hohen Ansprüchen an Wertigkeit und Nachhaltigkeit umgesetzt. Das Zusammenspiel aus beige-farbigem Klinker, dem mit Basaltlava-Naturstein verkleideten Sockelbereich und den Rundbogenfenstern lässt den Baukörper des Jahrgangshauses optisch als moderne Neu-Interpretation des gegebenen historischen Kontextes unprätentiös und harmonisch erscheinen. Die begrünte Dachfläche wurde mit einer Photovoltaik-Anlage versehen, deren Ertrag den Stromverbrauch der gesamten Schule speist. Im Außenbereich bleibt der Bestand, neben der Weiterführung einer qualitativen und soliden Pflasteroberfläche und dem reduzierten Hinzufügen von Accessoires, weitestgehend erhalten – inklusive einer ca. 125 Jahre alten Platane.
Die Entscheidung für eine hohe Wertigkeit und die Wahl natürlicher Materialien, die für die Gebäudehülle und den Außenbereich getroffen wurde, spiegelt sich auch im Inneren des neuen Jahrgangshauses wieder. Lern- und Nutzungsbereiche werden durch funktionale Möbeltrennwände zoniert, die eigens von einer Tischlerei gefertigt wurden. Mit Kakaobohnenschalen versetzte Linoleumböden sowie hochwertige Innentüren zu den Unterrichtsräumen definieren beispielsweise zusätzlich die natürliche und warme Atmosphäre des Innenraums. Eine dimmbare Beleuchtung, der Einsatz einer Fußbodenheizung in allen Obergeschossen, die kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung sowie die durch externe Beratung begleiteten akustischen Maßnahmen tragen zusätzlich zum Ambiente des Innenraumes bei. Aus dem Zusammenspiel dieser Faktoren wurden Räume geschaffen, in denen sich Kinder und Lehrende wohlfühlen und ein positives Lernklima genießen können.
Darüber hinaus wurde im Innenraum ein gemeinschaftlich entwickeltes Farbkonzept umgesetzt, welches die Identifikation mit den neu geschaffenen Räumen und somit auch die Annahme des modernen Lernkonzeptes fördern soll.
Identität & Gemeinschaft
Der frühere Trakt der Naturwissenschaften wurde mit dem Umbau zum Jahrgangshaus der Goetheschule umgenutzt. Je Etage sind vier Unterrichtsräume verortet, die von Klassen der selben Stufe genutzt werden. Mit dem Marktplatz als gemeinsame Mitte und verbindendes Element wird somit jedes Obergeschoss zu einem eigenständigen Jahrgangscluster. Die Erschließung dieser spielte dabei bei der räumlichen Organisation eine besondere Rolle. Über den direkten Zugang von außen, wird man von der neu gestalteten Pausenhalle in Empfang genommen. Die vorher außenliegende, ausschließlich als zweiter Rettungsweg genutzte Treppe, wurde mit in die gebaute Kubatur integriert und somit in die Schaffung räumlicher Qualität mitgedacht. Über dieses neue Treppenhaus und das bestehende -das Jahrgangshaus mit dem bestehenden Altbau der Goetheschule verbindende- werden in den drei Regelgeschossen direkte Zugänge zu den Klassenräumen geschaffen. Über diese wiederum sind die Marktplätze zu erreichen – die Herzstücke eines jeden Clusters, die fest den jeweiligen Jahrgängen zugeordnet sind. Damit die Umsetzung des Lernkonzeptes auch nach der baulichen Fertigstellung in der Nutzung gelingen kann, fanden die Planungs- und Umsetzungsprozesse im engen Austausch zwischen uns als Generalplaner, den Zentralen Diensten der Stadt Bochum sowie dem Nutzer selbst, der Goethe-Schule, statt. Im Frühjahr 2021 begannen erste gemeinsame Gespräche zwischen den genannten Akteuren. Zu Beginn erfolgte die Bedarfsermittlung und die Ideenfindung zur Umwidmung des ehemaligen naturwissenschaftlichen Traktes zum neuen Jahrgangshaus. Seitens der Schule wurde zu Beginn der Planung ein weiterer Prozessbeteiligter mit eingebracht – das pädagogisch-funktionale Beratungsbüro LernLandSchaft aus Röckingen. Gemeinsam wurde somit das neue pädagogische Konzept für das Jahrgangshaus entwickelt, in dem die Jahrgänge 5 bis 8 ihr schulisches Zuhause finden sollen. Dieses sieht die Unterbringung der Klassen eines Jahrgangs in einem Cluster in jeweils einer eigenen Etage sowie die Nutzung der gemeinsamen Marktplätze als Arbeits- und Präsentationsbereiche vor. Durch die Zonierung dieser durch festes und loses Mobiliar, die Schaffung von Sichtbezügen zwischen Unterrichtsräumen und Differenzierungsbereichen sowie das Minimieren reiner Verkehrsflächen werden schließlich durch die maximale Aktivierung der Nutzungsflächen ganz besondere neue Lernsituationen geschaffen. Im Rahmen mehrerer pädagogischer Tage, die in enger Absprache aller Beteiligter und u.a. unter der Moderation der Fachberatung LernLandSchaft stattfanden, wurden die konkreten Wünsche und Bedarfe der Schule erhoben, die dann in die Planung und schließlich auch die bauliche Umsetzung, die im Jahr 2025 endete, mit einbezogen wurden.
Durch die daraus entwickelten nutzungsspezifischen Bedarfe und die Rolle der Schule als Partner in der Planung wurde das neue Jahrgangshaus der Goethe-Schule Bochum nicht nur zu einem architektonisch hochwertigen Gebäude, sondern schafft auch nachhaltig und zukünftig den Schülerinnen, Schülern und dem Schulpersonal einen Wohlfühlort zum Lernen, Lehren und Arbeiten.
Fotografie: Linden www.fotodesign-linden.de
Beratung & Konzeptentwichklung: Lernlandschaften www.lern-landschaft.de
